Roth 2010

So, der erste Saisonhöhepunkt ist vorbei und ich weiß immer noch nicht ganz recht, ob ich mich freuen soll oder enttäuscht bin. Da ich meinen Countdown aus technischen Gründen nicht fortsetzen konnte, ist hier noch einmal ein kleiner Erlebnisbericht.

Wie bereits geschrieben bin ich am Mittwoch bereits zum Luke Dragstra gefahren. Grund für die relativ frühe Anreise war unter anderem meine Verletzung im linken Gluteusbereich (Popo). Länger als 2 h sitzen ist für mich zur Zeit sehr schmerzhaft, so dass ich diese Belastung so schnell wie möglich weg haben wollte. Am Freitag ging es dann in die finale Unterkunft nach Spalt, wo ich mit zwei ASV-Athleten eine Apartment gemietet hatte. War auch wirklich nett dort, ja wenn da nicht in dem Gasthaus gegenüber das alljährliche Kirchweihfest stattgefunden hätte. Bedeutet, dass wir von Freitag auf Samstag nicht wirklich gut geschlafen haben, da wir das Gefühl hatten, dass die Blaskapelle direkt neben dem Bett steht. Samstag stand für mich neben kleinen Trainingseinheiten noch viel Physio auf dem Programm. Brigitte Schmailzl und ihr Team haben noch einmal alles gegeben, um mich fit zu bekommen. Vielen Dank dafür!!!

Als es dann Samstag früh ins Bett ging, hatten wir wieder in unserem Gasthaus eine Liveband zu gast, die alles gegeben hat. Eigentlich kann ich ja einiges aushalten, aber um 23 Uhr habe ich einer netten Mitarbeiterin über das Telefon meine Situation erklärt und die Party war zum Glück vorbei. Sorry an alle Gäste.

Am Wettkampftag klingelte um halb vier der Wecker. Nach einem leichten Frühstück ging es mit dem Auto ab zum Startbereich. Dort wurden die letzten Vorkehrungen getroffen und sich dann etwas warm für einen sehr langen Tag gemacht. Ich startete um sechs Uhr mit allen Profis. Es war schon ein komisches aber auch schönes Gefühl sich zusammen mit Stadler, Wellington, Henning, Llanos, Keat,… in der Wartezone zu befinden. Um Punkt sechs viel der Startschuss. Anfangs war ich noch in der Gruppe mit Stadler und Kienle die ich aber nach ca. 500m habe ziehen lassen. Nachdem ich eine kurze Zeit alleine schwimmen musste, hat sich schnell eine neue Gruppe gefunden, in der ich gut aufgehoben war. Allerdings hätte ich mir am liebsten den Neo runter gerissen, weil das Wasser ziemlich warm war.

Nach 54 Minuten stieg ich dann aus dem Wasser. Ein bis zwei Minuten langsamer als geplant. Sch…, aber nicht verrückt machen lassen, war mein Motto. Im Nachhinein hat sich auch gezeigt, dass fast alle Schwimmzeiten ein bis zwei Minuten langsamer waren als letztes Jahr.

Dann ging es aufs Rad, mein Sorgenkind. Ich bin die ersten 20km sehr locker gerollt, in der Hoffnung, dass die Muskulatur sich nach dem Schwimmen etwas lockert und nicht so derbe zwackt. Als ich dann so langsam anfangen wollte, hatte ich direkt wieder den Schmerz auf der linken Seite. Ich habe versucht mit Voltaren Tabletten (kein Doping!!!) etwas gegen die Schmerzen zu machen, hat aber leider nicht wirklich geklappt. Nach 40km hatte ich schon den Gedanken im Kopf, nach der ersten Runde das Rennen zu beenden. Solche Gedanken so früh im Rennen sind meist nicht gut. Bei km 60 bin ich auf die viert platzierte Rebekah Keat aufgefahren, was mir nochmal einen kleinen Schub gegeben hat. Ich hatte mit ihr abgesprochen, dass ich ihr so lange wie möglich helfen werde, da mein Rennen eh vorbei ist.

Bei km 70 ging es nach Hilpolstein rein, zum berühmten Solarer Berg. Als ich in dem Ort war, war ich erst verwundert und enttäuscht. Da war nix los. Doch auf einmal wurde der Bass immer lauter (ich bekomme gerade schon wieder eine Gänsehaut), rechts und links häuften sich die Menschenansammlungen und nach einer langgezogenen Rechtskurve stehen da plötzlich auf ca. 300m fast 100.000 Menschen vor einem auf der Straße. Wahnsinn. Überwältigt aber auch gleichzeitig etwas panisch habe ich versucht die Lücke durch die Massen zu finden. Aber da war keine. Erst 5m vorher wurde ein Spalier geöffnet und ich hämmerte auf dem dicken Blatt mit einer noch dickeren Gänsehaut und voller Adrenalin den Berg hoch. Oben angekommen war ich allerdings ganz schön gar.

Nach der ersten Runde auf dem Rad, bin ich dann doch weitergefahren. Es war nicht optimal, aber auszuhalten mit den Schmerzen bei dem Tempo. Zum Ende des Radfahrens hatte ich dann Rebekah, Belinda und Teresa zusammengefahren und war selbst ganz schön platt, da ich viel in aufrechter Position und Wiegetritt gearbeitet hatte.

Den finalen Marathon bin ich dann mit Belinda angegangen, da mich nach dem Wechsel die Voltarentabletten zwei Mal in kürzester Zeit aufs Dixi gezwungen haben und ich so den Kontakt zu Bek verloren hatte. Ich fühlte mich zu Beginn nicht wirklich gut, aber nach einigen Kilometern hatte ich so langsam meinen Rhythmus gefunden. Die Halbmarathon-Marke passierte ich mit 1:34h. Jetzt wusste ich, dass das die Sub 9 Marke eigentlich nicht mehr zu erreichen war, da ich die zweite Hälfte nicht langsamer laufen durfte. Und das ist bekanntermaßen bei einer Langdistanz sehr schwierig.

Aber ich konnte das Tempo gut halten, befand mich bei km 35 aber nach eigenen Berechnungen (was bei den Anstrengungen gar nicht so leicht war) immer noch über den neun Stunden. Die letzten fünf km wurde nochmal richtig geknautscht und alles rausgeholt. Erst bei der 41. Kilometermarke habe ich begriffen, dass es passt. Dank einer zweiten Halbmarathonhälfte in 1:31h habe ich neben dem Sub9 auch noch eine persönliche Bestzeit aufgestellt.

Auch wenn ich mir im Vorfeld andere realistische Ziele gesetzt hatte, bin ich auf Grund der ganzen Umstände sehr zufrieden mit dem Rennen und dem Ergebnis. Das Rennen war einfach nicht so schnell wie letztes Jahr und ich nicht 100%ig fit. Mit einem 27. Platz von fast 3.300 Startern kann ich mich allerdings gut abfinden. Und die Challenge Roth ist auf jeden Fall ein Erlebnis und ein Muss für jeden Langdistanzler. Jetzt liegt der Fokus erstmal auf meinem Studium, dass in den letzten Zügen steckt. Anschließend werde ich alle Energie in den Ironman Mexiko stecken und hoffentlich auch dort ein gutes Rennen bestreiten.

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